Liebe Partner

Es ist für uns ein Privileg, Ihnen wieder einmal ein Update unserer Arbeit zu präsentieren. Die ersten sechs Monate dieses Jahres vergingen wie im Flug. Die zweite Welle der Covid 19-Pandemie hat in Indien einen hohen Tribut an Tausenden von Toten gefordert. Diese Welle ging Mitte Juni zurück, aber für August und September steht uns eine weitere Welle bevor. Diesmal sollen auch Kinder vermehrt betroffen sein. Die Regierung tut alles, um die nächste Welle zu bewältigen. Es finden Impfkampagnen statt, aber die Impfung von über 1 Mrd. Menschen ist eine Mammutaufgabe. So ist seit dem 2. August klar, dass wir einmal mehr keinen Präsenzunterricht abhalten dürfen.

Precious Hands steht erneut vor der Herausforderung, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um den uns anvertrauten Kindern die Möglichkeit zu geben, trotzdem schulische Inhalte zu lernen und darin voranzukommen.

JUNI:

Sommerferien

Im Juni waren wie immer Sommerferien. Der Natel-Unterricht entfiel und unsere Mitarbeiter erhielten eine überfällige Pause um sich zu erholen. Wir empfahlen ihnen, zu Verwandten zu reisen. (Anmerkung: Das ist für viele Inder die einzige Möglichkeit, Ferien an einem anderen Ort zu machen.) So konnten sie Zeit mit ihren Familien verbringen, bevor sie im Juli ihre Arbeit wieder aufnahmen.

 

Schulhausbau in Hardoan

Die Bauarbeiten am neuen Hardoan-Zentrum wurden im Juni fortgeführt. Das Dach musste unbedingt noch vor dem Monsun auf das Gebäude gesetzt werden. Es war eine große Leistung, trotz Corona Arbeiter zu finden, die nötigen Baumaterialien zu kaufen und sie zur Baustelle zu transportieren. Wir sind allen, die in dieses Gebäude investiert haben, sehr dankbar.

Das neue Gebäude verfügt über sechs große Klassenzimmer von je 6,1 x 7,6 m und acht Schüler-Toiletten. Was noch fehlt sind die elektrischen Installationen, die Sanitärinstallationen, der Verputz und das Malen der Wände. Wenn das abgeschlossen ist, wird das Schulhaus für die Kinder geöffnet. Später werden wir noch die Lehrerwohnungen auf dem Schulgebäude errichten.

 

JULI: Anmeldung fürs neue Schuljahr und Handy-Unterricht

Gemäss der Anordnung der Regierung wurden alle Kinder in die nächsthöhere Klasse versetzt. Im Juli wurden zusätzlich neue und jüngere Kinder aufgenommen. Wir haben unsere Kinder mit ihren Schulbüchern und Schulmaterialien ausgestattet und sie in Gruppen für den erneuten Natel-Unterricht eingeteilt.

Aufgrund unserer Erfahrungen vom letzten Jahr sind wir zuversichtlich, dass die Kinder in der Lage sein werden, sich in ihrer neuen Handy-Gruppe gut zurechtzufinden. Sie werden auch dieses Jahr die wichtigsten Inhalte der neuen Klasse lernen und verstehen. Soweit mit dieser Methode möglich, werden wir auch diesmal unsere Kinder effizient unterrichten können. Diejenigen Kinder, die im Handy-Unterricht schon geübt sind, werden diesmal noch leichter wieder einsteigen können. Trotzdem hätten wir uns sehnlichst gewünscht, die Kinder im Schulhaus im Präsenzunterricht zu beschulen. Die Beziehung zu den Lehrpersonen, die Erklärungen und all die zusätzlichen Fächer, die wir im virtuellen Unterricht leider nicht vermitteln können, fehlen je länger desto mehr. So war es zum Beispiel im letzten Jahr gar nicht möglich, Sport- oder Werkunterricht durchzuführen. Der physische Unterricht kann erst dann wieder aufgenommen werden, wenn die Regierung dies erlaubt.

Aus Kindersicht

Hallo, ich heisse Abhinav. Ich lerne im Precious Hands Schulhaus in Shankargarh. Letztes Jahr war ich in der 3. Klasse, aber jetzt bin ich in die 4. Klasse aufgestiegen. Seit einem Jahr lerne ich von zu Hause aus. Meine Lehrerin unterrichtet mich zusammen mit anderen Kindern in der Nähe meines Hauses in einer «Handy-Klasse». Ich muss sehr genau zuhören, was meine Lehrerin am Telefon sagt. Am Anfang war es schwer, und ich vergaß viele Dinge, aber langsam konnte ich den Unterricht verstehen und meine Hausaufgaben machen. Meine Lehrerin kommt auch einmal in der Woche zu uns, um unsere schriftlichen Arbeiten zu sehen und mit uns zu sprechen. Ich bin froh über ihre Besuche. Sie spricht auch mit meinen Eltern. Ich war nur zu Beginn des Schuljahres in meinem Klassenzimmer, um meine Schulbücher und Schulsachen abzuholen. Ein paar andere Male wurden wir zu besonderen Programmen wie Winter- und Frühlingsfeiern gerufen. Wir mussten Masken tragen und in kleinen Gruppen kommen. Einmal im Monat besuchte meine Mutter die Schule, um die Nahrungsergänzungs- und Hygieneartikel für unsere Familie abzuholen. Ich trage die Maske nicht gerne, aber meine Lehrerin hat mir von Covid-19 erzählt und dass es sehr gefährlich ist.

Ich bin stolz, jetzt in die 4. Klasse gehen zu dürfen und habe sehr gehofft, dass wir jetzt zum Unterricht ins Schulzentrum gehen könnten. Die Enttäuschung war gross, als uns Kindern gesagt wurde, dass wir wieder zu Hause bleiben müssen, um zu lernen! Ich möchte ins Zentrum gehen, aber wieder heisst es, es sei nicht sicher. Das macht mich traurig. Das einzig Gute ist, dass ich keine Maske tragen muss, wenn ich zu Hause lerne. Die Maske ist sehr schwer zu tragen und manchmal wird es auch heiß. Ich möchte nur, dass alles wieder normal ist. Ich hoffe, dass wir bald wieder mit meinen Freunden ins Zentrum gehen können. Aber bis dahin lerne ich durch die Handy-Klasse zu Hause.

 

Die Perspektive des Lehrers

Hallo an alle. Ich heisse Mohan. Ich bin in Shankargarh aufgewachsen. Ich bin verheiratet und zusammen mit meiner Frau wohne ich in einem Nachbardorf in der Nähe des Precious Hands Zentrums. Vor meiner Heirat hatte ich meinen Bachelor of Arts (B.A.) und anschließend den Bachelor of Education gemacht. Ich wollte schon immer Lehrer werden. In den Dörfern im Landesinneren von Shankargarh gibt es immer noch keine Bildung, und die Kinder werden schon in jungen Jahren zur Arbeit auf den Feldern und in den Steinbrüchen herangezogen. Die Armut ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Kinder ihre Eltern beim Geld verdienen unterstützen müssen. Da ich in einem solchen Umfeld aufgewachsen bin, war es für mich eine Herausforderung, meine Ausbildung abzuschliessen.

Das Precious Hands Center befindet sich im Zentrum des kargen Landes vom Shankargarh-Bezirk und als ich nach meinem Abschluss von dieser Arbeit erfuhr, reichte ich sofort meine Bewerbung als Lehrer ein. Ich wurde angenommen und darf seit dem 1. Juli 2017 hier unterrichten. Ich geniesse diese Arbeit. Es ist eine Herausforderung, mit diesen Kindern zu arbeiten, aber ich gehöre zu ihrer Gesellschaftsschicht und ich bin mir ihrer Grenzen, ihrer sozialen Herkunft und der Armut, in der sie leben, sehr bewusst. Eine der größten Herausforderungen ist auch die konservative und verschlossene Mentalität der Eltern.

Der Schulalltag änderte sich drastisch, als die Covid 19-Pandemie in unseren Bundesstaat U.P. kam. Wir begannen, die Kinder durch «Handy-Klassen» zu unterrichten. Wir mussten die Kinder nach ihren Wohnorten einteilen und die Unterrichtszeiten festlegen. Am Anfang war das sowohl für die Kinder als auch für die Lehrer schwierig, aber nach und nach wuchsen wir in diese Unterrichtsmethode hinein und wurden effizienter. Neben dem Unterricht besuchten wir die Kinder zu Hause, um ihre Fortschritte zu überprüfen und auch die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag zu ermutigen.

Aus meiner Sicht kann allerdings nichts den Besuch der Kinder in der Schule ersetzen. Die physische Interaktion mit Kindern die zusammensitzen, zusammen lernen, zusammen spielen und miteinander reden können, ist für die gesamte Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Wir hoffen, dass bald wieder die Zeit kommt, in der sich unser Alltag normalisiert.

Ich danke Ihnen nochmals herzlich für Ihre Unterstützung. Mit Ihrer Hilfe wird es uns auch in Zukunft gelingen, alle Herausforderungen rund um die drei Primarschulen zu meistern und den Schülern zu einer besseren Zukunft zu verhelfen.

Neha Arora

Projekt-Koordinatorin der Precious Hands Schulen

Begleitbrief aus der Schweiz   ·   August 2021

Liebe Patinnen und Paten, liebe Freunde

In der Schweiz hat sich im letzten Halbjahr einiges getan, wie wir schon im Rundbrief vom März berichtet haben: Unser neues Vorstandsmitglied, Corinne Neukom, hat dabei kräftig mitgewirkt. Wir freuen uns sehr, dass sie bei Precious Hands eingestiegen ist.

Corinne Neukom stellt sich vor

Seit Teenagerjahren kenne ich die Patenschaften von Precious Hands. Ich habe ein Herz für arme Menschen in anderen Ländern. Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen ist der Grundstein, aus der Armut herauszukommen. Im Sommer 2019 habe ich deshalb zugesagt, im Vorstand des Vereins Precious Hands mitzuwirken. Als Kaufm. Angestellte und Office Managerin mit einem Flair fürs Grafische war klar, worin meine Aufgabe bestehen wird. Seither war ich involviert bei der Entwicklung eines Marketing-Konzepts, habe das Logo neugestaltet sowie verschiedene Flyer.

Ich bin 43 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Teenager-Töchter, ein Arbeitspensum von 50 % in zwei Firmen als Sachbearbeiterin sowie Personalwesen, Buchhaltung und Administration. Seit 9 Jahren engagiere ich mich als Vizepräsidentin in der Schulpflege Boniswil und seit Jahren ehrenamtlich in der Freien Christengemeinde in Lenzburg. Nun wurde ich an der Vereinsversammlung am 28. Mai 2021 offiziell in den Vorstand gewählt. Für mich ist das Mitwirken bei Precious Hands eine sinnstiftende und erfüllende Aufgabe. Ich bin motiviert und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit im Vorstand und mit dem Team Vorort.

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Dieser Precious Hands Versand ist etwas dicker als gewöhnlich. Sie finden darin den Jahresbericht 2020, den Juli-Rundbrief und den neuen Flyer. Alle Paten erhalten auch den Jahresbericht ihres Kindes. Diejenigen, deren Kind ausgetreten ist, erhalten eine Information über die neue Schulpatenschaft sowie die Patenschaftsvereinbarung. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn Sie uns mit einer solchen Patenschaft weiter unterstützen würden.

Offene Fragen zu allen Neuerungen beantworten wir gerne: info@precious-hands.ch.

Herzlichen Dank für Ihre Treue und viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Verein Precious Hands

Markus Koelliker

Präsident